28. Juni 2020 – Historisch bedeutsamer Fund

Was tut ein nahezu beschäftigungsloser Chorleiter mit seinem Corona-bedingt sprunghaft angestiegenen Mehr an Freizeit? Nun denn: er unterscheidet sich da nur unwesentlich von einer normalsterblichen Sängerin beziehungsweise einem ebensolchen Sänger und widmet sich voller Tatendrang dem immer wieder vernachlässigten und aufgeschobenen Aufräumen und Ordnungmachen, will heißen: an allen Ecken und Enden einmal den Buddick in nicht unerheblichen Maße reduzieren. Unser forsch und fröhlich zu Werke gehender Friedel hat sich für dieses durchaus löbliche Ansinnen den Dachboden seines elterlichen Anwesens am Fuße der „Kühhol“ auserkoren und beim frühsommerlichen und schweißtreibenden Stöbern – im Grunde unbeabsichtigterweise – ein wahrhaft musikalisch-gesangliches Kleinod zutage gefördert. Bei jenem hochinteressanten Fundstück handelt es sich offensichtlich um ein altes Liederbüchlein seines Großvaters Peter Allgayer, der nach der Wiedergründung des Ommersheimer Männerchores nach dem 2. Weltkrieg im März 1946 für mehrere Jahre dessen 1. Vorsitzender war. Das ob der vielen Jahre auf dem Speicher nutzlos herumliegende und darob auch stark angestaubte und vergilbte Büchlein trägt den Namen „Spielmann’s geselliges Liederbuch“ und enthält ganz offenkundig ein Sammelsurium bekannter Melodien, deren umgedichtete Textfassungen nach der eigentlichen Chorprobe – damals noch am Sonntagmorgen – bei dem sich anschließenden und oft sehr ausgedehnten Frühschoppen zum Besten gegeben wurden. Einer dieser gehobenen Schätze ist mit dem zum mannhaften Trunke auffordernden Titel „Un de Stiwwel geht rund“ umschrieben, wurde auf die Melodie „Do owe uffem Bersch“ gesungen und umfasst insgesamt zwölf Strophen, von denen euch aber auch keine vorenthalten werden soll.

  1. In Spielmann’s isch Pròb un dò sinn ich debei.
    Mir hugge sesamme vun zèh‘ bis um zwei.
    Refrain: Holla-di hija, bleiw’ ma gesund,
    holla-di hopsa un de Stiwwel geht rund
  2. Mir singe bis zwellef, dann heere mir uff
    un mache fier e Stunn‘, zwei noch gäär änner druff.
    Holla …
  3. Was hammir e Dorschd un was fa e Pläsier.
    Mir brauche känn Node un aa känn Klavier.
    Holla …
  4. Dò schallt’s „Prost, ihr Herrn,“wohlauf frisch vom Fass!“,
    Die Schobbe mit Vino sinn voll Veritas.
    Holla …
  5. Dò unne uff’m Pissoir dò laaft’s im Akkord,
    dò säächt vun demm Bier sich die Hällefd widder fort.
    Holla …
  6. Dò stehn se in de Reih meddem Stumbe in de Hand
    und peife „Mädel, ruck ruck ruck“ un „Kein schöner Land“.
    Holla …
  7. Es laut schunn zur Veschber es Gleckche ganz zart.
    Ei dò hätt ma doch rechternoch e Storme gewart.
    Holla …
  8. Ei, trink ma noch änner un singe noch e Lied,
    wie die Traube aus der Tonne uns de Kopp eninn zieht.
    Holla …
  9. Jetzt hann ich känn Sorche, jetzt hann ich känn Flemm.
    Mei brav‘ Weib, das wart jò un kocht mir dehemm.
    Holla …
  10. Und fangt’s òn se knäwwere, dann vezehl ich em was:„
    Du läädlewich Minsch,ei du gönnsch mir känn Spass!“
    Holla …
  11. Dann bringt’s mir die Supp un duud grusslich nett.
    So isch dann der Sunndaa mòl widder gerett.
    Holla …
  12. Ihr Mannsleit, komme singe, un aa ´s Junggemies,
    dò sinn ihr gudd unner un dehemm aus die Fieß.
    Holla

So wie wir ihn kennen, hat unser kompositorisch bienenfleißiger Chorleiter in der Zwischenzeit bereits einen einfachen Chorsatz zu dieser Weise geschrieben, den wir bei sich hoffentlich bald mal wieder bietenden Gelegenheit mit den zwölf verbliebenen wackeren Männern des gemischten Chores einüben werden. Pro Strophe ein Bier dürften wir dabei allerdings nicht mehr schaffen, gleichwohl die Probe aufs Exempel durchaus angebracht wäre!

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